Gründer-Förderung um über eine Milliarde Euro gekürzt
Jungunternehmer Der Gründungszuschuss hat vielen Menschen zurück ins Berufsleben geholfen. Nun wird die Starthilfe drastisch gekürzt – obwohl Experten sie als wirkungsvolles Instrument ansehen
| 27.01.2012 |
Bundeswirtschaftsminister träumt von einem Land der Gründer. Die Bundesrepublik brauche einen Mentalitätswandel; wer pleite gehe, dürfe nicht mehr ein Kainsmal eingebrannt bekommen. Inzwischen scheint ein Sinneswandel eingesetzt zu haben. Jobsuchenden, die den Sprung in die Selbstständigkeit wagen wollen, wird der Zugang zu den Gründerzuschüssen künftig stark erschwert. Nach längerem Ringen zwischen Bund und Ländern bleibt es bei den dramatischen Kürzungen, die der Bundestag bereits im Oktober beschlossen hatte.
Künftig wird der Rechtsanspruch auf Gründungszuschuss abgeschafft, die Förderung wird zur Ermessensleistung. Die entscheidende erste Phase des Gründungszuschusses (Förderung in Höhe des Arbeitslosengeldes I zuzüglich 300 Euro Zuschuss zur Sozialversicherung) verkürzt sich von neun auf sechs Monate. Im Gegenzug verlängert sich die zweite Förderphase (300 Euro im Monat) von sechs auf neun Monate. Der bei Gründung erforderliche Restanspruch auf Arbeitslosengeld I verlängert sich von 90 auf 150 Tage
Insgesamt will die Bundesregierung auf diese Weise rund 1,33 Milliarden Euro im Jahr weniger ausgeben. Die Folgen dürften drastisch sein: Die Bundesagentur für Arbeit und die Jobcenter förderten 2010 etwa 163.000 Erwerbslose, die sich eine selbstständige Existenz aufbauen, in Hamburg wurden 2011 etwa 5.000 Gründer gefördert. Andreas Lutz, Betreiber des Internetportals Gründungszuschuss.de rechnet damit, dass die Zahl der geförderten Gründungen um bis zu 60 Prozent zurückgehen wird. Knut Böhrnsen von der Agentur für Arbeit in Hamburg bemüht sich um Entwarnung: „Hamburg wird auch weiterhin eine Gründerstadt bleiben. Wir wissen um den Wert von kreativen Ideen und wollen nicht als Verhinderungsbehörde in die Geschichte eingehen".
Viele Arbeitsmarktforscher bezeichnen die Gründungshilfe als sinnvolles Instrument. Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung nennt die Hilfen „das vielleicht sogar erfolgreichste Instrument der Bundesanstalt für Arbeit (BA)". 425.000 gewerbliche Gründungen gab es 2010, schätzt das Institut für Mittelstandsforschung (IfM) in Bonn. Nicht ganz jeder dritte Gründer hatte sich vorher arbeitslos gemeldet. Das Forschungsinstitut zur Zukunft der Arbeit (IZA) hat in einer im Oktober veröffentlichten Studie herausgefunden, dass 19 Monate nach der Gründung rund 80 Prozent der Geförderten weiterhin selbstständig sind - ihnen die Gründung also vorerst geglückt ist. Weitere sieben bis 12 Prozent (je nach Bundesland) hatten eine Anstellung gefunden. In der Summe seien so etwa 90 Prozent der Gründer wieder in den Arbeitsmarkt integriert worden. „Das ist ein außerordentlich hoher Prozentsatz" sagt Marco Caliendo, Mitverfasser der Studie.
Lesen Sie weiter in unserer aktuellen Ausgabe. Fordern Sie Ihre Leseprobe an unter info@missler-online.de
Insgesamt will die Bundesregierung auf diese Weise rund 1,33 Milliarden Euro im Jahr weniger ausgeben. Die Folgen dürften drastisch sein: Die Bundesagentur für Arbeit und die Jobcenter förderten 2010 etwa 163.000 Erwerbslose, die sich eine selbstständige Existenz aufbauen, in Hamburg wurden 2011 etwa 5.000 Gründer gefördert. Andreas Lutz, Betreiber des Internetportals Gründungszuschuss.de rechnet damit, dass die Zahl der geförderten Gründungen um bis zu 60 Prozent zurückgehen wird. Knut Böhrnsen von der Agentur für Arbeit in Hamburg bemüht sich um Entwarnung: „Hamburg wird auch weiterhin eine Gründerstadt bleiben. Wir wissen um den Wert von kreativen Ideen und wollen nicht als Verhinderungsbehörde in die Geschichte eingehen".
Viele Arbeitsmarktforscher bezeichnen die Gründungshilfe als sinnvolles Instrument. Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung nennt die Hilfen „das vielleicht sogar erfolgreichste Instrument der Bundesanstalt für Arbeit (BA)". 425.000 gewerbliche Gründungen gab es 2010, schätzt das Institut für Mittelstandsforschung (IfM) in Bonn. Nicht ganz jeder dritte Gründer hatte sich vorher arbeitslos gemeldet. Das Forschungsinstitut zur Zukunft der Arbeit (IZA) hat in einer im Oktober veröffentlichten Studie herausgefunden, dass 19 Monate nach der Gründung rund 80 Prozent der Geförderten weiterhin selbstständig sind - ihnen die Gründung also vorerst geglückt ist. Weitere sieben bis 12 Prozent (je nach Bundesland) hatten eine Anstellung gefunden. In der Summe seien so etwa 90 Prozent der Gründer wieder in den Arbeitsmarkt integriert worden. „Das ist ein außerordentlich hoher Prozentsatz" sagt Marco Caliendo, Mitverfasser der Studie.
Lesen Sie weiter in unserer aktuellen Ausgabe. Fordern Sie Ihre Leseprobe an unter info@missler-online.de

