Hamburg entdeckt Nachbarn
Neue Töne vom Bürgermeister Scholz: Die Hansestadt setzt auf Kooperation im Norden. „Wer heute erfolgreich sein will, braucht Verbündete“, sagt Scholz
| 27.01.2012 |
In seiner Regierungserklärung im März 2010 hatte Hamburgs Erster Bürgermeister Olaf Scholz Schleswig-Holstein mit keinem Wort erwähnt. Das Nachbarland schäumte noch mehr, als die Hansestadt dem nordfriesischen Husum die Leitmesse für Windenergie streitig machte. Doch nun geht Scholz auf die Nachbarn zu. Kiels Wirtschaftsminister Jost de Jager reagierte prompt. „Ich bin sehr erleichtert", sagte er „missler".
Bei einer Rede vor dem AGA-Unternehmensverband stellte Scholz zum Jahreswechsel die Kooperation zwischen Hamburg, Schleswig-Holstein, Mecklenburg-Vorpommern, Niedersachsen und Bremen in den Mittelpunkt seiner Rede. „Wir begreifen uns als gemeinsame Wirtschaftsregion", sagte er. Alle fünf norddeutschen Bundesländer hätten wirtschaftlich das gleiche Gewicht wie Bayern. „Zusammen wollen wir dafür sorgen, dass das Nord-Süd-Gefälle abnimmt. Dazu muss sich der Norden vernünftig organisieren und gemeinsam seine Interessen vertreten", erklärte er.
Zugleich wandte er sich gegen ein Wiederaufleben der Nordstaat-Debatte. Statt „eher fruchtloser Spekulationen über den Nordstaat" müsse es Aufgabe der Politik der Küstenländer sein, „Einzelhandel, Wohnungsbau, Verkehrswege, Krankenhausplanung und vieles mehr" so aufeinander abzustimmen, „dass die Landesgrenzen den Alltag der Bürgerinnen und Bürger nicht mehr beeinträchtigen". Dabei gehe es auch um die Sicherung von Fachkräften und die Bereitstellung von Gewerbeflächen.
Um das „Wir-Gefühl der Norddeutschen" zu stärken, müsse „die nationale und internationale Sichtbarkeit des Nordens" verbessert werden. Die Stärken der Gesamtregion seien in Projekten und Initiativen zu bündeln. Dabei habe der Hamburger Senat - so Scholz - auch in der Zusammenarbeit mit den anderen norddeutschen Bundesländern vor allem die mittelständische Wirtschaft im Blick. Scholz sprach sich bei der wirtschaftlichen Zusammenarbeit für die Bildung von Clustern aus. Es habe sich bewährt, Kompetenzen zu bündeln. „Der Hamburger Hafen war schon ein Cluster, bevor es diesen neu-deutschen Begriff überhaupt gab", sagte er. Zugleich liefen zwischen Hamburg, Schleswig-Holstein, Niedersachsen, Mecklenburg-Vorpommern und Bremen Gespräche, um den Luftverkehr im gesamten norddeutschen Raum zu optimieren. Das Luftfahrtcluster in der Metropolregion vom Flugzeugbau über die Instandhaltung bis zum Flughafenbetrieb sei einzigartig in Deutschland.
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