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Reaktorblöcke zwischen Dünen

Energie Während Deutschland aus der Kernkraft aussteigt, plant Polen einen neuen Meiler.

| 27.01.2012 |

Selbst die europäische Finanzkrise hat möglicherweise eine gute Seite. An Geldmangel nämlich könnten Polens Pläne für den Bau eines Atomkraftwerks an der Ostsee noch scheitern. So meldeten es kürzlich Warschauer Zeitungen. Nun ist es natürlich Ansichtssache, ob das eine gute Nachricht ist. Das Boomland Polen braucht Energie. Und dass man sich dabei nicht allein auf russisches Gas und den heimischen Klimakiller Kohle verlassen möchte, ist auch verständlich. Wer aber einmal durch die wunderschöne Küstenregion zwischen Swinemünde im Westen und Danzig im Osten gereist ist, den wird die Aussicht auf einen Reaktorblock zwischen den Dünen kaum froh stimmen. Genau das aber ist der Plan des Energieversorgers PGE, der das erste polnische AKW ab 2020 betreiben will.
 
Drei Standorte hat das Unternehmen ausgeguckt: Zarnowiec und Choczewo nordwestlich von Danzig sowie Gaski, 30 Kilometer östlich von Kolberg. Die Meeresnähe garantiere den Aufbau eines funktionstüchtigen Kühlsystems, argumentiert der Konzern. Andererseits kann die Ostsee im Sommer auch für Urlauber zu einer Art Kühlsystem werden. Touristen jedenfalls wird man mit einem Kernkraftwerk kaum ins Land locken.
Aber wie gesagt: Dank der Finanzkrise gibt es Hoffnung für Fans der weiten polnischen Ostseestrände. Zum Bau des AKWs brauch der Betreiber Kredite.

Polens Banken aber sind in aller Regel Tochterunternehmen westlicher Geldhäuser. Vor allem deutsche, österreichische und italienische Banken versorgen den Finanzplatz Warschau mit Liquidität. In allen drei Ländern aber will man nichts (mehr) von Atomenergie wissen. Deshalb, so mutmaßen polnische Experten, könnten die Regierungen in Berlin, Wien und Rom Druck auf die eigenen Geldhäuser machen, ihren polnischen Töchtern den Kredithahn zuzudrehen, wenn die ein AKW sponsern wollen.
Das klingt nach einer Verschwörungstheorie. Andererseits tun die angeschlagenen Banken derzeit sicher gut daran, die Politik milde zu stimmen. Und zumindest in Deutschland sind die Vorbehalte gegen ein polnisches Atomkraftwerk groß.  

Ulrich Krökel